Gastrokulturelle Pionierarbeit

Im wunderschönen, mir aber komplett unbekannten St. Galler Toggenburg gelegen, ist das altehrwürdige Gasthaus Rössli Mogelsberg eine echte Ökoinstitution. Was heute immer mehr zur guten Praxis in Gastronomie und Hotellerie wird, war 1978, dem Gründungsjahr des Rössli, eine weitsichtige Pionierleistung: Ein Biorestaurant im Kulturhotel. Gegründet von einer Gruppe von Idealisten und 68igern. Sabine Bertin war eine davon. Sie ist gekommen, um zu bleiben und führt den Betrieb nunmehr seit über vierzig Jahren umsichtig und sehr wertschätzend. 


Mitten im Dorf Mogelsberg steht also das Rössli gleich neben der Kirche. Es ist ein traditioneller Toggenburger Strickbau – ganz aus Holz erbaut. Mittlerweile ist er komplett denkmalgeschützt. Sowohl der Innenbereich als auch die Aussenfassade. Zum Glück.

Über knarrende Holztreppen erreicht man die Hotelzimmer. Darin übernachtet man in den Schweizer Holzbetten von «Hüsler Nest». Die Kirchenglocken begleiten einen in den Schlaf. Und schlafen tut man in bestem Klima unter Schafwolldecken der vorgenannten Firma.


In der gemütlichen Gaststube und in den beiden Restaurant-Sälen werden die Gäste mit einer kreativen biologischen und trotzdem klassischen Küche auf gehobenem Niveau verwöhnt.


Die Weinkarte ist wohltuend übersichtlich und bietet eine sorgfältige Auswahl europäischer Weine von biologischen und biodynamischen Weingütern an. Die meisten davon sind grossartigerweise im Offenausschank erhältlich. Der Service im Rössli ist freundlich und unkompliziert.

In den Räumlichkeiten des historischen Gebäudes befindet sich ein Kultur- oder Seminarsaal, in welchem seit jeher ein vielfältiges kulturelles Angebot Platz findet. In normalen Zeiten jedenfalls. Zu den Anfangszeiten wurde das Kulturprogramm selber geplant und durchgeführt. Heute tut dies ein Verein. Die meisten Grössen der Schweizer Kleinkunst- und Musikszene waren im Rössli schon auf der Bühne, lange bevor sie bekannt wurden.  


Ein wunderbarer Ort um sich eine Auszeit zu gönnen, das Toggenburg zu erkunden und mal wieder richtig gut zu essen. Klassisch und kreativ und ohne schlechtes Gewissen. Dazu darf man sich wieder mal bewusst werden, wie stark unser Leben von grossartigen Pionierleistungen geprägt wird. Wie beispielsweise das Lebenswerk von Sabine Bertin im Rössli Mogelsberg. Wir sind zufrieden, wohl genährt, tief berührt und kommen sehr gerne wieder! 

Rössli Mogelsberg
1 2 3