Geschmack der Heimat

Was mit viel Risiko, langen Arbeitstagen und improvisierten Lieferketten begann, ist heute ein Treffpunkt verschiedenster Kulturen. Der Rami Supermarkt in Ostermundigen verbindet Lebensmittel und Menschen aus aller Welt.


Es ist ein grauer Samstagmorgen in Ostermundigen. Rote Granatäpfel, saftige Orangen und Wassermelonen, die vor dem Rami Supermarkt aufgetürmt sind, bringen Farbe in die Szenerie. Sie erinnern an mediterrane Läden und wecken die Lust einzutreten. Seit 2017 werden hinter diesen Türen verschiedenste Kulturen vereint. «Die Kunden müssen sich, wenn sie zu uns kommen, wie in ihrem Heimatland fühlen» erzählt Hüsamettin Süleymanoglu. Doch zu wessen Heimat sollen diese Türen hier der Zugang sein? Eine Runde durch die Gänge des Ladens gibt Antwort darauf. Produkte aus afrikanischen-, lateinamerikanischen-, asiatischen- und balkanischen Ländern sowie aus Italien, der Schweiz und der Türkei füllen die Regale. Hüsamettin erzählt: «unser Winkel ist weit».

«Den Namen haben wir aus der Türkei importiert», erzählt Hüsamettin und führt aus, wie ein Bekannter im Jahr 2009 ein Rami Supermarkt in Köniz eröffnet hat. Fast zehn Jahre später nimmt Hüsamettin, inspiriert von seinem Bekannten, ein Rami in Ostermundigen in Betrieb. Der Name ist gleich, das Sortiment aber verschieden. Neben den einladenden Früchten gibt es im Rami auch frisches Gemüse und eine Frischfleischtheke. Das Fleisch kommt hauptsächlich aus der Schweiz. Bei diesen Produkten wird ein besonderer Fokus auf «Frische, Qualität und Halal Zertifizierung» gelegt. Sie gehören daher nicht ohne Grund zu den meistverkauften Produkten. In den weiteren Regalen sind Gewürze, Süssigkeiten, Snacks und viele grundlegende Zutaten zu finden. Aus eigener Erfahrung wissen Hüsamettin und seine Familie wie wichtig «vertraute Zutaten, echte Aromen und kulturelle Authentizität» sind. Und genau das möchte er hier seiner breiten Kundschaft ermöglichen: ein echtes Heimatgefühl.


In der Türkei arbeitete Hüsamettin in der Medienbranche. Für ihn war der Detailhandel also Neuland und es dauerte eine Weile, bis er davon ernten konnte. Da es in der Schweiz zu dieser Zeit keine vergleichbaren Geschäfte gab, stellte vor allem der Import der Produkte eine grosse Schwierigkeit dar. Er musste die Lieferanten einzeln zusammensuchen. Die Einkäufe musste sein Bruder teilweise von Zürich mitten in der Nacht holen. Heute läuft das anders. Hüsamettin drückt seine Dankbarkeit gegenüberder Firma «Petracca» aus. Petracca ist ein Lieferant, welcher Produkte aus aller Welteinkauft. Die Besitzer, Valerio und Fabio, seien wie Brüder für ihn. Er bestellt die Produkte täglich online und sie werden ihnen bis vor die Türe geliefert. Dies ist eine grosse Erleichterung im Arbeitsprozess. Dennoch arbeitet er dreizehn bis vierzehn Stunden am Tag. Marvan, der mit ihm das Geschäft führt, ist dabei eine grosse Hilfe. Erhilft bei der Koordination mit den Lieferanten und «nimmt viele schwere Sachen von meiner Schulter weg», erzählt Hüsamettin. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Im Gespräch betont er zudem seine grosse Anerkennung gegenüber seiner Frau, Pinar Süleymanoglu. Mit ihrer Arbeit die sie zuhause, wie auch im Laden verrichtet steht sie «hinter mir wie ein grosser starker Stein», so Hüsamettin.

Hüsamettin, Marvan und Pinar werden von fünf weiteren Mitarbeitenden gestützt. Auch bei den Mitarbeitenden wird ein hoher Wert daraufgelegt, dass «verschiedene Kulturen zusammentreffen». Leute aus dem Iran, Irak, der Türkei, Afghanistan, der Schweiz, der Ukraine und dem Libanon empfangen hier täglich die Kundschaft. Hüsamettin betont, dass das Heimatgefühl nicht nur durch den Magen, sondern ebenso durch die Sprache vermittelt wird. Es sei wichtig, dass sich die Kund*innen mit den Mitarbeitenden verständigen können. Denn Sortiment und Kundschaft zeichnen sich hiergleichermassen durch kulturelle Vielfallt aus. Die Zufriedenheit der Kund*innen steht für Hüsamettin an erster Stelle. Der Laden soll die Kundschaft empfangen, wie man Gäste im eigenen Zuhause empfängt. Dafür erwartet er von seinen Mitarbeitenden Hilfsbereitschaft und «Ausländer Flexibilität», wie er lachend erzählt. Damit ist die Offenheit gemeint den Kund*innen auch mal entgegenzukommen. Weiter will er seiner Kundschaft Produktqualität, Sauberkeit und Geschmack garantieren.

Hüsamettin erzählt über einen Anfang voller Risiken, kurzen Nächten und Unsicherheiten. «Erfolgreich ist nicht zufällig, man muss sich grosse Mühe geben», erzählt er. Dennoch wagt er einen Blick in die nähere und fernere Zukunft. Bald soll es grosse Regale mit afrikanischen Produkten geben, in ein paar Jahren vielleicht weitere Filialen.


Weitere Informationen zum Rami Supermarkt in Ostermundigen findest du hier: Webseite
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